Auf der Unterseite fanden wir eingekerbte Maße vom ersten Schulanfang des Besitzers. Wasserflecken erzählten von Festen im Garten. Wir stärkten Zargen, reinigten sanft, polierten mit verdünntem Schellack. Die Notizen blieben, die Oberfläche strahlt, und die Familie erkennt ihr Leben wieder.
Unter dem Sitz fanden wir Frachtmarken einer Zugreise nach Wien. Ein loses Zapfenloch, Haarrisse im Sitzrahmen und brüchige Leimfugen bedrohten die Stabilität. Mit Hautleim, schonendem Dampf und gezielten Keilen stabilisierten wir alles, ließen aber die Reisemarkierungen sichtbar und erzählbar.
Hinter einer herausnehmbaren Rückwand steckten Einkaufslisten aus den Fünfzigern. Wir erfassten die Zettel digital, lagerten sie säurefrei und vermerkten die Funde im Pass. Die Kommode erhielt neue Führungsschienen aus Altholz, minimal invasiv, damit die Schubladen wieder ruhig laufen und Erinnerung greifbar bleibt.
Wo möglich setzen wir auf Wasserbasen, Alkohol mit geringer Toxizität und natürliche Öle. Wir lüften systematisch, filtern die Luft und prüfen Sicherheitsdatenblätter. So wird das Werkstück schön, die Werkstatt sicher und das Zuhause frei von unnötigen Schadstoffspuren und Kopfschmerzen.
Anobien, Nagekäfer oder Pilze brauchen nüchterne Diagnose statt Panik. Wir kombinieren Monitoring, Temperatur- und Feuchtekontrolle, gegebenenfalls anoxische Verfahren. Chemie ist letzte Option. Die Struktur bleibt intakt, Bewohner bleiben geschützt, und das Möbel darf ohne Angst wieder seinen Platz einnehmen.
Holz liebt Konstanz. Wir empfehlen Hygrometer, sanfte Luftbefeuchtung und Abstand zu Heizkörpern. Kleine Gewohnheiten verhindern Risse, Schüsselungen und abhebende Furniere. Wer sein Raumklima kennt, bewahrt Schönheit und Stabilität, verlängert Intervalle zwischen Eingriffen und spart langfristig Ressourcen sowie Nerven.